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Wie du Kuschelparties erleben und genießen kannst

Der Markt an sogenannten Kuschelparties boomt – vor allem in großen Städten voller erlebnisoffener Menschen, wie Berlin und Hamburg. Angebote wie Kuschelabende klingen verlockend. Doch für wen sind diese Veranstaltungsformate geeignet? Und wer sollte lieber mit einer therapeutisch begleiteten Gruppe beginnen? 

Was passiert auf sog. Kuschelparties?

In unserem Alltag erleben wir fast alle zu wenig bedingungslose und nicht-sexuelle Berührungen. Seit den Lockdowns der Corona-Pandemie besteht sogar ein nachgewiesener ausgeprägter Berührungsmangel. Mit seelischen und körperlichen Gesundheitsfolgen. 

Kuschelparties bieten die Möglichkeit, achtsame Berührungen und körperliche Nähe zwischen Menschen zu erfahren. Dort begegnen sich meist unbekannte Menschen mit dem Bedürfnis nach nährendem Kuscheln und Berührungen. Die „Bedingungslosen Berührungen“ von Kuschelparties sind Begegnungen, die an keine Erwartungen oder nachfolgenden Konsequenzen geknüpft sind. Die Gruppengrößen können sich zwischen 15 und 40 Personen bewegen.

Auf Kuschelparties finden Berührungen und körperliche Nähe nur im gegenseitig ausgehandeltem Konsens statt. Sie sind nicht sexuell und ziehen keine sexuellen Handlungen oder Kontakt-Ansprüche nach sich. Berührungen an Brust- und Intimzone sind nicht erlaubt. Auf jeder Kuschelparty gibt es Regeln für einen achtsamen Umgang, die Kontaktgestaltung und das Kuscheln miteinander. Die meisten Kuschelveranstaltungen beginnen mit Übungen zum gegenseitigen Kennenlernen und zum Wahrnehmen und Äußern von eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Grenzen. Danach findet ein längerer Zeitraum von angeleitetem oder freiem Kuscheln statt. 

Warum Kuschelparties empfehlenswert sind:

Das Erleben von Kuscheln und bewussten Berührungen hat viele positive Auswirkungen auf uns. Im Körper wird das „Kuschelhormon“ Oxytocin freigesetzt, welches Gefühle von Vertrautheit und Wohlbefinden fördert. Es fördert das Erleben von körperlicher und mentaler Entspannung, stärkt das Immunsystem, beruhigt unser Nervensystem und steigert unser Wohlgefühl. Unsere Psyche wird in einen beruhigenden, stimmungsaufhellenden Zustand versetzt. Als achtsam erlebte Berührungen und Körperkontakte von gut angeleiteten Kuschelparties tragen dazu bei, dass wir uns mit uns selber und mit anderen Menschen sicher und verbunden fühlen. Wunderbare Erfahrungen von Angenommensein, Entspannung und Auftanken können erlebt werden.

Für wen sind Kuschelparties geeignet?

Kuschelparties sind ein sensibler und intimer (im Sinne von Nähe) Ort. Es ist wichtig, dass alle Beteiligten sich ihrer eigenen Wünsche und Grenzen bewusst sind, sie im Kontakt mit anderen spüren und klar äußern können. Gelingt dies nicht, bleiben wir auf unerfüllten Bedürfnissen sitzen, Grenzen können unabsichtlich überschritten werden oder wir fühlen uns sogar in dramatische Kontakt-Erfahrungen zurückversetzt. Der Besuch einer Kuschelparty kann uns also auch bewusst machen, dass wir Bedürfnisse und Grenzen noch nicht klar spüren oder äußern können.

Wenn du dich für das Thema interessierst und/ oder mal eine Kuschelparty besuchen willst, dann lade ich dich jetzt ein, dir ein paar Minuten Zeit zu nehmen und ehrlich folgende Fragen zu beantworten:

  1. Was passiert in deinem Körper, deinen Gedanken und Gefühlen wenn du in den Körperkontakt mit einem anderen, fremden Menschen gehst oder gehen willst? Das kann schon das Händeschütteln bei einer Begrüßung sein.
  2. Woran spürst du, ob du einem Menschen in diesem Moment die Hand geben möchtest? Beobachte deinen Atem, deine Körperspannung, deine Gedanken, deinen Blickkontakt. Vielleicht nimmst du eine Vorfreude auf das Berühren der Hände deines Gegenübers wahr. Möglicherweise erlebst du bei der Vorstellung, einem anderen Menschen die Hand zu geben, plötzlich eine Anspannung in deinem Körper oder den Gedanken, dass ein Händeschütteln zu einer Begrüßung halt dazugehört.
  3. Machst du es dann trotzdem oder signalisierst du dein Nein?

Sensitive Touch: Sich selber erfahren, um anderen begegnen zu können.

Um mit dem Gefühl von innerer Sicherheit die großartigen Auswirkungen von Kuschelparties erleben zu können, braucht es für manche Menschen zuerst einen Raum zum Üben von Kontakt und dem Lernen von Spüren und Äußern von Bedürfnissen und Grenzen im Körperkontakt. Menschen mit traumatischen Begegnungs- und Beziehungserfahrungen erleben hier mitunter besondere Herausforderungen. In meiner Privatpraxis und meinen Gruppenangeboten treffe ich häufig auf Menschen, die ihre Bedürfnisse und Grenzen nicht (mehr) spüren dürfen oder eine diffuse tiefe Angst davor haben, sie äußern. Vor allem Menschen mit als verletzend erlebten oder traumatischen Kontakterfahrungen haben oft Angst vor Berührungen oder eine Abneigung vor Körperkontakt- aus gesundem Selbstschutz der Seele.

Eine Möglichkeit des Übens biete ich in meinen Workshops Sensitive Touch – Achtsames Berühren und Kuscheln an. Die Gruppengröße ist auf 8 Personen beschränkt, so dass die Gruppendynamik für alle Teilnehmenden überschaubar bleibt, und nicht die Nervensysteme überflutet. In Langsamkeit und Sensitivität kann durch traumasensible Übungen und Elementen aus dem Wheel Of Consent erforscht werden, wie ein Berührungskontakt stimmig und wohlig gestaltet werden kann. Die Wahrnehmung und Mitteilung der eigenen Bedürfnissen und Wünsche wird geübt. Alle Emotionen sind eingeladen, sich zu zeigen. Wenn ein Mensch die Erfahrung macht, eine Begegnung für sich sicher und stimmig gestalten zu können, ermöglicht es das Einlassen und Genießen auf Berührungen und Körperkontakt. 

Durch Achtsames Berühren und Kuscheln können wir erhalten, was wir an bedingungslosen Berührungen zu wenig bekommen haben oder was uns gerade fehlt. Kuschelabende bieten eine Möglichkeit, das eigene Ja und Nein (wieder) wahrzunehmen und damit in den Kontakt zu gehen. Dies ermöglicht Körper und Seele sich sicher anfühlende Berührungskontakte und neue Erfahrungen der Selbstsicherheit. 

Das Fazit

Kuschelparties sind Veranstaltungen, um bedingungslose Berührungen und körperliche Nähe zu erfahren. Mit bedingungslos ist gemeint, dass daran keine Erwartungen oder nachfolgenden Konsequenzen geknüpft sind. Trotzdem ist das für manche Menschen ohne Vorbereitung zu viel, vor allem wenn sie das Spüren und Äußern von Bedürfnissen und Grenzen im Körperkontakt noch lernen. Dafür habe ich ein Angebot für Kleingruppen geschaffen: Sensitive Touch – Achtsames Berühren und Kuscheln, mit ausgewählten Übungen und Elementen aus dem Wheel Of Consent. Es ist wichtig, dass jede Person für sich selbst entscheidet, was das Richtige für sie ist. Dabei wird immer eine offene und respektvolle Kommunikation dazu beitragen, dass Berührung und Nähe als etwas Natürliches und Positives betrachtet werden. 


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Kuschelparties Symbolbild
Annekathrin Zimmermann
Annekathrin Zimmermann ist studierte M.A. Psychologin und arbeitet als Systemische Therapeutin (DGSF), Sexualtherapeutin und Coachin in ihrer Praxis in Berlin-Kreuzberg.

Veröffentlicht

13 Mai 2024

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